Für Radfahrer in Hirschberg ist das Wetter das geringste Problem
von Arndt Weidler
Pünktlich zum T
reffpunkt um 14 Uhr öffneten die dunklen Wolken das erste Mal ihre Pforten. Trotz des schlechten Wetters hatten sich am Samstag etwa 20 Hirschbergerinnen und Hirschberger an der Alten Markthalle in Leutershausen versammelt, um an der Rundfahrt der Hirschberger Grünen durch die Gemeinde teilzunehmen. Und die trieben ganz andere Sorgen für junge und ältere Zweiradfahrer entlang der Bergstraße um als die mäßigen äußeren Bedingungen.
Egon Müller, Jürgen Glökler, Dr. Rainer Müller und Brigitte Bohr hatten die Route sorgfältig vorbereitet, die man in den kommenden zwei Stunden in beiden Ortsteilen erfahren wollte. Bevor es losging begrüßte GLH-Sprecher Egon Müller die Anwesenden, zu denen auch Bernhard Pirch-Rieseberg vom Vorstand des Kreisverbandes des ADFC gehörte, der extra aus Heidelberg nach Hirschberg gekommen war.
Gleich zu Beginn wiesen Müller und GLH-Fraktionsvorsitzender Jürgen Steinle auf den Engpass auf zwischen Drehscheibe und Rathaus hin, wo ein nur schmaler Gehweg besteht, der für Schulkinder und ältere Leute kritisch ist. „Ein verkehrsberuhigter Bereich mit auffälligem Fahrbahnbelag auf der Oberen Bergstraße, wie von der Gemeinde schon einmal ins Spiel gebracht, ist hier absolut notwendig“ so Müller. Es werde an dieser unübersichtlichen Stelle oft, insbesondere abends, zu schnell gefahren. Gleiches gelte für den Bereich Fenchelstraße und Johann-Sebastian-Bach-Straße auf Höhe der Kindergärten und Schulen, sagte er.
Jürgen Steinle bemängelte grundsätzlich, dass die Radwege-Beschilderung aus Richtung Heidelberg zu großen Umwegen zwinge. „Die Radtangente umfährt den Ortskern äußerst umständlich und führt Radtouristen an den örtlichen Sehenswürdigkeiten wie Alte Synagoge und Gastronomie in der Hauptstraße vorbei.“
Die Unterführung am Leutershausener OEG-Bahnhof war dann die erste Station, wo die Gruppe kurz Halt machte. Immer wieder kommt es in der Unterführung zu gefährlichen Situationen für Fußgänger wie Fahrradfahrer insbesondere wegen der unübersichtlichen Kurvensituation beim Anstieg in Richtung Heddesheimer Straße. Mehrmals kam es hier bereits zu Unfällen. Von den Beteiligten wurden mehrere Lösungsvorschläge vorgebracht. U.a. wurde vorgeschlagen die Fahrradspur in der übersichtlicheren Mitte der Unterführung zu kreuzen und somit die Spuren für die Auffahrt zur Heddesheimer Straße für Fahrräder nach außen zu verlegen. Große Zustimmung erfuhr der Vorschlag einen Spiegel am Scheitelpunkt der Kurve anzubringen der von oben und unten eine Einsicht in die Kurve ermöglicht. Dass vor allem auch die Ausfahrt aus der Unterführung und die anschließende Querung der Heddesheimer Straße problematisch sind, erfuhren die Teilnehmer anschließend am eigenen Beispiel.
Am Sportgelände und Hilfeleistungszentrum vorbei ging es dann Richtung Großsachsen. Hier fielen die schlecht platzierten Hinweisschilder des so genannten „Rhein-Radweges“ auf, die zudem nicht mit den aktuellen Radwanderkarten übereinstimmten, wie Bernhard Pirch-Rieseberg vom ADFC bemerkte. Zudem werden Radfahrer mit dem Ziel Hirschberger Gewerbepark oder S-Bahnhof Hirschberg/Heddesheim umständlich Richtung Osten geleitet, obwohl Ortskundige wissen, dass der schnellere Weg geradeaus führe.
Die nächste Gefahrenstelle war dann die Querung des Autobahnzubringers in Höhe Sterzwinkel. Die Teilnehmer schlugen vor diesen durch eine Ausdehnung des Tempo 50-Gebots im Übergangsbereich zu entschärfen und zusätzlich durch die Schaffung einer Torsituation auf der südlichen Seite durch zwei Bäume den Übergang besser sichtbar zu machen. Eine solche Torsituation mit zwei Bäumen besteht schon auf der nördlichen Straßenseite.
Am Sterzwinkel entlang ging es weiter über Lörscher Weg, an den Tennisplätzen vorbei. Auch dieser Teil gehört sowohl zum Rhein-Radweg als auch zur Ortsumfahrung Großsachsen für Fahrradfahrer und auch hier fehlen an wichtigen Stellen, etwa Rosengartenstraße Hinweisschilder. Für Radfahrer aus Richtung Weinheim fehlen diese ohnehin gleich ganz.
Am OEG-Bahnhof Großsachsen fielen allen Mitgliedern der Gruppe unmittelbar die fehlenden Fahrradabstellplätze auf. Bernhard Pirch-Rieseberger vom ADFC verwies auf entsprechende Landesförderprogramme zur Schaffung von Park-and-Ride-Stationen für Radfahrer, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Auch der erhebliche Kahlschlag und das mangelnde Grün im Bereich des Busbahnhofs fielen ins Auge. Neupflanzungen sind notwendig. Bäume und Hecken sorgen gerade in diesen verkehrsintensiven Bereichen für Lärm- und Staubschutz der unmittelbaren Anwohner. Ein Zebrastreifen über die B3 auf Höhe Rosengartenstraße wurde angesprochen. Jürgen Steinle erläuterte, dass man im Zuge des zweigleisigen Umbaus zugunsten der Verkehrssicherheit auf diesen bewusst verzichtet habe und dafür den nördlich liegenden Ampelübergang über die B3 geschaffen habe.
Über Friedrich-Ebert-Straße und Brunnengasse fuhr man weiter zur Breitgasse. Egon Müller wies darauf hin, dass in diesem Kreuzungsbereich ein Zebrastreifen fehlt. „Hier befindet sich eine Bushaltestelle, die morgens und mittags von Schülern genutzt wird“, stellte er fest. Auch Tempo 30 sei wenigstens in diesem Kreuzungsbereich der Breitgasse gefordert. Den Verweis auf eine Durchgangsstraße, die nicht im Bereich der Zuständigkeit der Gemeinde liege, ließ Müller nicht gelten. In Rittenweier sei eine Geschwindigkeitsbeschränkung an der gleichen Landstraße und in der gleichen Gefahrensituation seit Jahren realisiert.
Auch auf Höhe des ehemaligen EDEKA-Marktes folgt die Radwegebeschilderung wieder der denkbar umständlichsten Route. Radfahrer Richtung Leutershausen werden nicht etwa geradeaus über den kurzen Anstieg am ehemaligen Gasthaus Rose und dann über Mühlgraben und Hintergasse geleitet, sondern umständlich die Breitgasse hinunter bis zum BM-Mayer-Weg, am ev. Gemeindehaus vorbei, durch die Kirchgasse Richtung Friedhof dirigiert. Dadurch entstehen mindestens zwei weitere Gefahrensituationen. Bei der Überquerung der Breitgasse in Höhe Gemeindehaus gibt es keinen gekennzeichneten Überweg für Radfahrer und Fußgänger über den man die Straßenseite wechseln könnte. An der steilsten Stelle des BM-Mayer-Weges, stehen Metallpfosten in der Fahrspur, sodass man bei der Durchfahrt auf die Regenrinne (ganz grobes Kopfsteinpflaster) ausweichen muss. Der Vorschlag wurde geäußert die Pfosten etwas zu versetzen (ähnlich der ersten Durchfahrt von der Kirchgasse kommend), damit ein Weiterfahren auf „normalem“ Kopfsteinpflaster möglich ist.
Die Gruppe macht nun noch mal einen kurzen Schlenker über den Haagackerweg Richtung neue OEG-Haltestelle „Großsachen/Süd“. Der neu angelegte, asphaltierte Weg von Schriesheim, Leutershausen über Großsachsen nach Weinheim endet hier abrupt. Es sei nicht erkennbar wie die Wegführung und Ausschilderung ist, bemängelten die Teilnehmer. Es sei Radfahrern nicht klar wie es ab der Haltestelle Großsachen/Süd weitergehe. Letztlich bliebe dort den Radfahrern nur noch die Möglichkeit die gefährliche Route über die B3 durch Großsachsen zu wählen oder auf dem Gehweg bis zum Haagackerweg (zusammen mit Fußgängern), durch die Luisenstraße, das Postgässchen, die Jahnstraße hochrunter zum Birkenweg östlich der OEG. Ein Teilnehmer erkundigte sich zudem ob entlang des Weges aus Leutershausen Bepflanzung vorgesehen sei um bei Dunkelheit die Blendwirkung einzuschränken?
Die gefährliche Einfahrt zum Sterzwinkel, wo es keine Markierung für die querende Fahrrad- und Fußgängerspur gibt, war die letzte Station der informativen Rundfahrt, deren Ergebnisse in den kommenden Wochen ausführlich zusammengefasst aufgearbeitet und dokumentiert werden sollen. Diesen Bericht möchten die Hirschberger Grünen der Verwaltung und allen Gemeinderatsfraktionen zur Information zukommen lassen. In der Hoffnung, dass sich die künftige Situation von Radfahrern und Fußgängern in Hirschberg erheblich verbessert.
Nun begann es auch wieder wie aus Kübeln zu schütten. Den Regen aber konnten die Teilnehmer gemütlich in der neuen Cafeteria des Seniorenzentrums aussitzen, was sich die Radfahrer von der Verwaltung angesichts der festgestellten Mängel nicht wünschen. Denn – und so lautete das Fazit in der Runde – Fahrradwege werde allzu häufig vom Schreibtisch aus konzipiert, Radfahrern werden Umwege zugemutet, die Autofahrern bei der Verkehrsplanung unter allen Umständen erspart werden und bekannte Gefahrenstellen für Fußgänger und Radfahrer existieren in der Gemeinde schon viel zu lange, ohne dass etwas geschieht.





